Bessere Kennzeichnung regionaler Lebensmittel

Autor: Kai Kreuzer

Zur Internationalen Grünen Woche in Berlin hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner eine bundesweite Initiative für eine bessere Kennzeichnung regionaler Lebensmittel gestartet. „Wir erleben in Deutschland eine Renaissance des Regionalen“, so Aigner. Bisher könne der Kunde aber nicht immer erkennen, ob drin ist, was draufsteht. Deshalb werde mit Regionalanbietern an einer besseren Regionalkennzeichnung gearbeitet. Über den Vorschlag des Ministeriums gibt es inzwischen jedoch eine erhebliche Kontroverse. Der Bundesverband der Regionalbewegung präferiert ein privatwirtschaftliches Zertifizierungssystem wie es beispielsweise bei den Bio-Verbänden der Fall ist. Die Kernfrage ist: soll es ein Regionallogo vor allem für "Big Business" geben oder für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe, die mit Regionalinitiativen zusammenarbeiten.
(Bild: Regionalvermarktung bei der Tagwerk Genossenschaft im Großraum München)

 

Mit Vorsicht sind die Ergebnisse einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums zu genießen. Demnach achtet die Hälfte aller Verbraucher beim Einkauf auf Lebensmittel aus der Region. 79 % der befragten Verbraucher wären demnach bereit, mehr Geld für regionale Lebensmittel auszugeben. Doch nicht einmal jeder Fünfte fühlt sich über die Herkunft regionaler Lebensmittel verlässlich informiert, so das Ergebnis der Umfrage. Allerdings ist bekannt, dass die bei Umfragen geäußerten Meinungen nur bedingt auf die Situation am Markt übertragbar ist und daher mehr allgemeine Stimmungen ausdrücken. (Bild links: In den letzten Jahren hat sich der konventionelle Handel zunehmend des Themas bemächtigt)

„Was wir brauchen, sind klare Kriterien für eine aussagekräftige und verlässliche Regionalkennzeichnung in Deutschland“, erklärte Bundesministerin Aigner. Verbraucher müssten beim Blick auf die Verpackung erkennen können, warum ein Hersteller sein Produkt „regional“ nennt. Das fängt bei der Frage an: Was ist eine Region? Wo beginnt sie, wo endet sie? Zudem möchten Verbraucher vor allem wissen, woher die Hauptzutaten stammen. Man wolle kein eigenes neues Siegel etablieren, sondern Klarheit darüber schaffen, wie viel Regionalität tatsächlich hinter den regionalen Kennzeichnungen steckt und wie die Bedingungen aussehen, unter denen ein Produkt erzeugt wurde. „Mehr Transparenz und mehr Klarheit – das ist nicht nur ein Anliegen der Verbraucher, sondern vieler Regionalvermarkter. Regionale Produkte sind ein Zukunftsmarkt – langfristig werden sie aber nur Erfolg haben, wenn sie das Vertrauen der Verbraucher finden“, sagte Aigner.
(Bild: Mitglieder und Besucher der Bundeskonferenz der Regionalbewegungen in Fulda 2011)

In den vergangenen Monaten hat das Bundesministerium verschiedene Wege und Modelle eingehend prüfen lassen. Mit der Entwicklung von Kriterien für eine bundesweite Regionalkennzeichnung wurde das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) zusammen mit der Initiative MGH Gutes aus Hessen GmbH. In der Untersuchung wird ein Überblick über bestehende Regionalkennzeichnungen der Länder, des Lebensmitteleinzelhandels und der Regionalinitiativen erarbeitet, um auf dieser Basis Kriterien für eine bundesweite Regionalkennzeichnung zu entwickeln. Auch Verbraucherzentralen, Handel, Länder, Bio-Verbände und der Bundesverband Regionalbewegung seien mit eingebunden, heißt es von Seiten des Ministeriums. (Bild links: Regionalkennzeichnung bei der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft Landwege in Lübeck)

Kern des Konzepts ist eine Regionalkennzeichnung, die den Anwendern ermöglicht, aussagekräftige Informationen auf Lebensmittelverpackungen darzustellen. Ein „Regionalfenster“ auf Lebensmitteln soll dazu der Rahmen sein: Bei zusammengesetzten Produkten kann für jede Zutat einzeln transparent gemacht werden, aus welcher Region sie zu welchem Prozentsatz stammt. Neben Aussagen zur Rohstoff-Herkunft sind auch Aussagen zum Ort der Verarbeitung möglich. Ziel ist es, in Deutschland eine klare und transparente Kennzeichnung für regionale Produkte durchzusetzen. Die Nutzung dieses freiwilligen „Regionalfensters” wird mit einem Zertifizierungs- und Kontrollsystem verbunden sein.

Bundesministerin Aigner wird das Konzept im April 2012 den Landwirtschaftsministern der Länder auf der Agrarministerkonferenz in Konstanz vorstellen und mit den Ländervertretern über die Verankerung des Konzepts und mögliche rechtliche Vorgaben diskutieren. Neben den Ländern sollen in diesen Prozess auch Verbraucherschützer, erfolgreiche Regionalvermarkter und die Landwirtschaft eingebunden werden.

Der Bundesverband der Regionalbewegung (BRB) begrüßt einerseits, dass die Politik auf die Forderungen der Regionalbewegung reagiert und glaubwürdige Regionalvermarktung unterstützen möchte. Den eingeschlagenen Weg mit einer Öffnung der Regionalkennzeichnung für den Einzelhandel im Allgemeinen hält man für „äußerst zweifelhaft“. Nach Ansicht des Bundesverbandes würde es bedeuten, dass global arbeitende Unternehmen ihren Filialbetrieben (z.B. Puten-, Hähnchen- oder Schweinemästern) mit einem „Regionalfenster“ das regionale Mäntelchen umhängen könnten. „Wir sehen vor allem in den kleinen und mittleren Betrieben wichtige Stabilitätsfaktoren eines freien Marktes im ländlichen Raum“, sagt Bundesvorsitzender Heiner Sindel (im Bild zweiter von links).
Der Bundesverband der Regionalbewegungen bewertet das Konzept des „Regionalfensters“ kritisch: Da das vorgesehene Zertifizierungssystem ein drei-stufiges Kontrollsystem - möglicherweise mit analytischen Kontrollen - vorsieht, ist zu erwarten, dass hier erneut kleine und mittelständische Unternehmen zur Kasse gebeten werden und einen weiteren bürokratischen Aufwand zu bewältigen hätten. Der Bundesverband der Regionalbewegung favorisiert ein Regionalsiegel für Regionalvermarktungsinitiativen. Das heißt, die Vergabe des Siegels erfolgt an die Initiativen vor Ort und ist als eine Art „Regionalitäts-TÜV“ zu verstehen. Die Initiativen können anschließend wiederum ihre Produkte damit kennzeichnen.

Weiterhin wird kritisiert, dass die Einbeziehung der Vorstufen der Landwirtschaft in das „Regionalfenster“, z.B. Futtermittel aus der Region bewusst nicht mit einbezogen werde. „Dem hohen Anspruch der glaubwürdig arbeitenden Regionalvermarktungsinitiativen wird dies nicht gerecht“, so Sindel. Gerade diese zeigten in ihrer praxisorientierten Arbeit und mit ihrer langjährigen Erfahrung, dass damit Regionalentwicklungsprozesse eingeleitet werden können, die wiederum eine hohe Wertschöpfung in den Regionen generieren sowie eine nachhaltige Entwicklung im Sinne zur Erhaltung der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen nach sich ziehen. Wie die bereits erwähnte Emnid-Umfrage ergibt legen 70 % der Verbraucher Wert darauf, dass bei Fleischprodukten auch die Futtermittel aus der Region stammen.

biomitgesicht.jpgBei der Bearbeitung der Studie zur Regionalkennzeichnung seien zwar viele Akteure wie Verbraucherzentralen, Handel, Länder, Bio-Verbände und der Bundesverband der Regionalbewegungen angehört worden, so Sindel, wichtige Marktteilnehmer wie das Lebensmittel verarbeitende Handwerk, z.B. Metzger und Bäcker sowie Akteure aus Natur- und Umweltschutzverbänden, Landschaftspflegeverbände, die langjährige Erfahrungen im Bereich glaubwürdiger Regionalvermarktung haben, seien nicht berücksichtigt worden.

Zusätzlich kann aufbauend darauf die Etablierung von fakultativen Qualitätsangaben für „regionales Produkt“ auf EU-Ebene dazu dienen, missbräuchliche Verwendung dieser Begrifflichkeiten von Seiten der Unternehmen und des Handels ahnden zu können, d.h. die Werbeversprechen können somit überprüfbar und bestrafbar gemacht werden.
Der Bundesverband der Regionalbewegungen fordert daher die Politik auf, das Vorhaben zur Einführung eines „Regionalfensters“ zu überdenken und gemeinsam mit Regionalvermarkungsinitiativen, Direktvermarktern und dem Lebensmittelhandwerk Lösungen zum Erhalt der Glaubwürdigkeit regionaler Produktvermarktung zu erarbeiten und umzusetzen. Die Regionalbewegung hat dazu in ihrem Positionspapier „Glaubwürdige Regionalvermarktung“ vom 25. November 2011 ein erstes Konzept zur Initiativenkennzeichnung erarbeitet und wird dies im Rahmen des 6. Bundestreffens der Regionalbewegung vom 15. bis 16. Juni 2012 in Jülich am Niederrhein weiter konkretisieren. 

Bio-Markt.Info bat zwei bekannte Regionalvermarktungsinitiativen, die bereits seit den Achtziger Jahren aktiv sind um ihre Meinung. Klaus Lorenzen (Bild) von der EVG Landwege eG hat ebenfalls Bedenken: "Grundsätzlich kann ich der Kritik der Regionalbewegung am geplanten „Regionalfenster“ voll und ganz zustimmen. Nach meiner Ansicht wird das „Fenster“ vor allem aufgrund des aufwendigen Kontrollsystems in erster Linie den Belangen bundesweit agierender und vermarktender Unternehmen gerecht und nicht kleineren und mittleren Regionalinitiativen, die vor allem in der Region vermarkten. Anscheinend – so habe ich es verstanden- ist auch nicht gedacht, den Erzeuger in dem Fenster zu nennen, sondern es „können Orte der Verarbeitung und der Rohstoffherkunft“ angeführt werden. Regionalität, so wie wir sie verstehen lebt aber von der Transparenz bis zum einzelnen Hof.
Da das Fenster nur dem Produkt und nicht einer Initiative verliehen wird, gibt es keine Differenzierung, ob ein Unternehmen Regionalität als zentralen Ansatz hat, oder es sich eher um eine „Imageverbesserung“ handelt.
Anscheinend berücksichtigt das „Fenster“ auch nur verpackte Produkte. Da es sich aber bei einem Grossteil regional vermarkteter Produkte um unverpackte Frischware (Obst, Gemüse, Backwaren, Käse, Fleisch, Wurstwaren) handelt, wird der bedeutendste Bereich offenbar nicht erfasst.
Ein ganz wesentliches Element einer glaubwürdigen Regionalvermarktung ist vor allem auch die regionale Futtergrundlage bei allen tierischen Produkten. Dieser zentrale Punkt auf den aber 70 % der Verbraucher Wert legen wird anscheinend bei dem „Regionalfenster“ ausgeklammert. Mittels des Regionalfensters wird also insgesamt nach unserer Auffassung echte Regionalität, die in der Region stattfindet, eher ausgeklammert und nicht gefördert. Ich würde auch bezweifeln, ob die geplante Form wirklich geeignet ist, den Kundenwünschen zu entsprechen."

Klaus Hutner (Bild) von Tagwerk "Die Verbraucher- und Erzeugergenossenschaft Tagwerk vermarktet seit 27 Jahren regional erzeugte Bio-Lebensmittel. Wir freuen uns, dass unser in den Anfangsjahren oft belächeltes Konzept, das Wirtschaften in einer regionalen, überschaubaren Struktur inzwischen von einer Mehrheit der Verbraucher so gewünscht wird. Wir begrüßen die Bestrebungen in der Politik die Regionalkennzeichnung zu verbessern. Angesichts der vielen auf dem Markt befindlichen Pseudo-Regionalprodukten ist eine glaubwürdige und transparente Kennzeichnung von regionalen Produkten dringend erforderlich.

Tagwerk fordert eine verbraucherfreundliche Ausgestaltung der neuen Regionalkennzeichnung. Bei den Vergabekriterien für ein neues Regionalsiegel ist eine konsequente Umsetzung des Regionalgedankens wichtig. So müssen z.B. auch die Futtermittel, die bei der Produktion von tierischen Lebensmitteln eingesetzt werden, aus regionaler Erzeugung stammen. Bei der Ausgestaltung der Überwachung der Kriterien für die Regionalkennzeichnung plädieren wir für eine praktikable, auch für kleinere Marktteilnehmer umsetzbare Lösungen. Es wäre absurd, wenn hier ein bürokratisches, kostenintensives System installiert wird, dass am besten von global agierenden Nahrungsmittelkonzernen genutzt werden kann."


Was denken deutsche Verbraucher über regionale Lebensmittel? Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums (EMNID / 1000 Befragte / Umfragezeitraum 16.-19.12.2011)

1. Rund die Hälfte (48 %) aller Verbraucherinnen und Verbraucher achtet beim Einkauf darauf, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen.

2. Fast die Hälfte (45 %) aller Verbraucherinnen und Verbraucher kauft regionale Lebensmittel auf dem Wochenmarkt. Supermärkte sind jedoch mit Abstand die Hauptbezugsquelle (86 %). 41 % der Befragten kaufen regionale Produkte direkt vom Bauern.

3. Hauptmotiv der Verbraucher: Sie haben Vertrauen zu den Landwirten aus der Region (83 %). Kurze Transportwege (80 %), positives Lebensgefühl (71 %), Arbeitsplätze in der Heimat sind für mindestens zwei Drittel (70 %) relevant.

4. 79 % der Verbraucher wären bereit, mehr Geld für regionale Lebensmittel auszugeben (10 % deutlich mehr, 69 % etwas mehr).

5. Nicht einmal jeder Fünfte (17 %) fühlt sich über die Herkunft regionaler Lebensmittel verlässlich informiert (66 % teilweise, aber die Informationen müssen noch klarer sein).

6. Drei Viertel (75 %) der Verbraucher meinen, verbindlich definierte Kriterien für Regionalsiegel würden mehr Vertrauen schaffen.

7. Bei einer Regionalkennzeichnung wäre nur für 56 % der Befragten eine klare geographische Abgrenzung wichtig. Am wichtigsten ist, dass das Produkt in der Region verarbeitet wurde (81 %). 70 % der Verbraucher legen Wert darauf, dass bei Fleischprodukten auch die Futtermittel aus der Region stammen.

8. Der Aspekt Tierwohl (89 %) ist den Menschen mit Abstand am wichtigsten gegenüber Bio-Produktion (56 %) und regionaler Herkunft (54 %). Für 71 % hat der Preis Priorität.




03.02.2012

Sojaaufbereitung in Forschung & Entwicklung

Quelle: FiBL-Pressemitteilung

 

Vor einem Jahr nahm das interdisziplinäre Sojaforschungsprojekt seine Arbeit auf. Das Sojaforschungsteam will mit Fachleuten aus Wissenschaft, Forschung und Verarbeitung Sorten und pflanzenbauliche Maßnahmen zu entwickeln, um den Sojaanbau in Deutschland auch in weniger günstigen Lagen rentabel zu machen. Seit beginn des neuen Jahres hat das Projekt einen weiteren Schwerpunkt bekommen: die Aufbereitung von Soja zu Futterzwecken. Denn regional verfügbare Aufbereitungsmöglichkeiten sind zentral wichtig, um den heimischen Sojaanbau weiter zu fördern.

Nach einem erfolgreichen ersten Versuchsjahr wurde das Sojaforschungsprojekt nicht nur inhaltlich ausgeweitet, sondern auch der finanzielle Rahmen aufgestockt. Ziel der aktuellen
Projekterweiterung ist es, insbesondere die Kapazitäten zur Sojaaufbereitung in der Fläche zu verbessern und damit einen wichtigen Engpass für den heimischen Futtersojaanbau zu beseitigen. Dazu wurde das Projekt „Ausweitung des Sojaanbaus in Deutschland durch züchterische Anpassung sowie pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Optimierung“ um einen aufbereitungstechnischen Bereich ergänzt, der vom FiBL Deutschland betreut wird. Im pflanzenbaulichen Bereich wurde das Projekt zudem um Versuche zur Direktsaat und zur Schwefelversorgung von Soja ergänzt.

Das vom FiBL Deutschland koordinierte Projekt wird vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gefördert.

www.sojainfo.de

20.01.2012

Landgut Pretschen eröffnet Bio-Gewächshaus

Quelle: Landgut Pretschen-Presseinformation

 

Auf die große Nachfrage nach Brandenburger Bio-Gemüse hat Demeter-Landwirt Sascha Philipp vom Landgut Pretschen reagiert: Für 4,4 Millionen Euro baute er auf seinem Hof im Unterspreewald ein zwei Hektar großes Gewächshaus, um den regionalen Naturkosthandel zu jeder Jahreszeit mit frischen Salaten, Tomaten und Gurken beliefern zu können. Das Land Brandenburg bezuschusste den Bau von Brandenburgs größtem Bio-Gewächshaus mit 877.000 Euro. Nach knapp sechsmonatiger Bauzeit sprießen jetzt die ersten Pflanzen. Im Gegensatz zur etablierten Chicorée-Produktion, die bundesweit vermarktet wird, ist das Demeter-Gemüse aus dem neuen Gewächshaus ausschließlich für den regionalen Markt bestimmt.

Durch die Investition entstehen auch neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum: Mit 15 neuen Mitarbeitern erhöht sich die Anzahl der Beschäftigten auf dem Landgut Pretschen auf 40. Philipp hofft, mit dem Bau seines Gewächshauses Impulse für weitere Investitionen zu setzen. Demnächst will Sascha Philipp den Besuchern des Landgutes Pretschen eine gläserne Produktion und damit direkte Einblicke in die biologisch-dynamische Erzeugung bieten.

20.01.2012

Wir freuen uns über den

Neumarkter Lammsbräu Nachhaltigkeitspreis

 

Filmemacher Bertram Verhaag und Claus Strigel liefern seit 1976 Jahr für Jahr erstklassige Dokumentationen zu ökologischen, sozialen und politischen Themen. Ihre Filme sind ein Appell, die globale Gesellschaft neu zu gestalten.(Zitat aus der Jury-Begründung)

 

 

 Anlässlich des Preises für unsere nachhaltigen Filme gewähren wir bis 1. Juli einen besonderen Award-Rabatt von 20% auf alle unsere DVDs.

www.denkmal-film.com

sales@denkmal-film.com

 

Aus Dänemark: Die erste ökologische Weihnachtsbaumsaat

 

 DURCHBRUCH: Ökologische Weihnachtsbaumproduzenten können nun den Produktionskreislauf mit der ersten ökologischen Weihnachtsbaumsaat schließen.

Die ökologische Weihnachtsbaumproduktion kann einen erheblichen Aufschwung erwarten. Eine dänische Baumschule hat soeben das bekannte rote Ø-Siegel für Nordmanntannensaat erhalten. Damit schließt sich der ökologische Kreislauf vom winzigen Samenkorn zum fertigen Weihnachtsbaum.

„Wir sind natürlich froh und stolz, als Erste weltweit zertifizierte ökologische Weihnachtsbaumsaat anbieten zu können. Bisher konnte man als Produzent ökologischer Weihnachtsbäume kein Saatgut mit Öko-Siegel bekommen“, sagt Marianne Bols, Inhaberin der Bols Forstplanteskole in Jütland, woher die ökologischen Fair Seeds stammen.

 

Das ökologische Saatgut hat nicht nur einen hohen Signalwert gegenüber den Verbrauchern. Es erleichtert es aller Wahrscheinlichkeit nach auch, eine ökologische Weihnachtsbaumproduktion aufzuziehen.

„Es bestand Mangel an ökologischen Pflanzen – was eine Voraussetzung für ökologische Produktion ist.  Wir gehen davon aus, dass die Zertifizierung der ökologischen Saat ein weiterer Anreiz für die Produktion ökologischer Sämlinge ist“, sagt Sybille Kyed, Chefberaterin beim dänischen Ökologischen Landesverband.

Hier freut man sich darüber, dass eine dänische Baumschule einen Meilenstein für die Weihnachtsbaumproduktion setzt – nicht nur in Dänemark, sondern auch international. Der dänische Schritt ist als Ausdruck dafür zu sehen, dass schärfere Anforderungen an ökologische Produktion – in diesem Fall durch ökologische Sämlinge – die Produzenten dazu motivieren, den ökologischen Markt weiter zu entwickeln.

In vollem Gange

Die Bols Forstplanteskole verfolgt das Ziel, es künftig sehr viel einfacher zu machen, ökologischer Weihnachtsbaumproduzent zu werden.

 

„Wir bieten Produzenten ökologischer Weihnachtsbäume eine Paketlösung an, durch die sie die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Pflanzen zu produzieren. Wir sind ihnen behilflich bei der Vorbehandlung der Saat, so dass jeder Produzent ein eigenes Samen- und Pflanzenbeet anlegen kann. Damit werden sie unabhängiger von Pflanzenlieferanten und Preisschwankungen. Gleichzeitig vermindern sich die Startkosten für die Ökokultur“, sagt Marianne Bols.

Sie unterstreicht gleichzeitig, dass das Saatgut aus ihrer Baumschule nicht teurer wird, weil sie nun das Ø-Siegel erhalten hat.

„Unsere Saat kann genau wie bisher auch im konventionellen Anbau eingesetzt werden. Nur haben wir jetzt durch einen externen Audit den ”blauen Stempel“ für Ökologie erhalten.

 

Für die dänische Baumschule ist die ökologische Zertifizierung schon das zweite Highlight, nachdem sie vor wenigen Monaten – ebenfalls als erster Weihnachtsbaumproduzent weltweit – die begehrte Mitgliedschaft der World Fair Trade Organisation (WFTO) für ihre Entwicklung des Fair Trees-Konzeptes erlangte. Die Mitgliedschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Einsatzes für bessere Arbeitsbedingungen der Zapfenpflücker in Georgien und für eine nachhaltige Produktion.

Weitere Informationen auf Anfrage bei:

 

Marianne Bols, mail:Marianne Bols, Mail: mb@bolsforst.dk, tlf.mb@bolsforst.dk, Tel. +45 75 76 00 43, www.bolsforst.dkwww.fairtrees.dkwww.bolsforst.dk,

 

www.fairtrees.de

 

 

Regionalwert AG eröffnet Biomarkt

Autor: Kai Kreuzer

Die Regionalwert AG erweitert ihr Netzwerk in den Naturkost-Einzelhandel und eröffnete am 8. April 2011 zusammen mit Partnern einen 280 m² großen Bio-Markt in der südbadischen Kleinstadt Breisach (rund 14.000 Einwohner). Einer der Kooperationspartner für das Projekt in zentraler Lage am Marktplatz ist das seit 15 Jahren im Ort ansässige Naturkostfachgeschäft Svedas. Bei der Regionalwert AG mit Sitz in Eichstetten bei Freiburg können engagierte Investoren über eine Beteiligung an einer Aktiengesellschaft den Wirtschaftspartnern Kapital zur Verfügung stellen, um regionale Wirtschaftskreisläufe zu finanzieren.
(Bild, v.l.: Marlene Svedas, Harald Wurm, Christian Hiß haben Grund zur Freude)

 

Das eingelegte Geld wird in finanzielle Beteiligungen durch den Erwerb von Gesellschafteranteilen oder stillen Beteiligungen in Südbaden investiert. „Bürger legen Kapital in ihrer Region an und schaffen ihre Regionalwirtschaft selbst“, erklärt Christian Hiß, Initiator der Regionalwert AG. Mit dem Geld wird ein Netzwerk finanziert und aufgebaut, dessen Unternehmen allesamt in der ökologischen Ernährungswirtschaft unternehmerisch tätig sind. „Ob Landwirtschaft, Gastronomie, Verarbeitung oder Vermarktung – sie alle bilden ein Netzwerk, das effektiv und transparent die Versorgung mit gesunden, sozial und ökologisch produzierten Lebensmitteln in der Region gewährleistet. Stadt und Land arbeiten partnerschaftlich zusammen“, erläutert Hiß die Arbeitsweise. Mit der Eintragung der im Oktober 2010 abgeschlossenen Kapitalerhöhung ins Handelsregister im Januar 2011 ist die Zahl der Aktionäre der Regionalwert AG auf 460 und das Grundkapital auf knapp 1,7 Mio. Euro gestiegen.

Im neu eröffneten Regionalwert-Biomarkt in Breisach werden bevorzugt die Erzeugnisse von Regionalwert-Partnern angeboten. Diese sind mit einem entsprechenden Logo gekennzeichnet (siehe Bild). Auch wenn es derzeit erst einen kleinen Anteil darstellt, wird dieser Teil der Regionalvermarktung mit dem Wachstum der Regionalwert AG weiter zunehmen.

170.000 Euro hat die Regionalwert AG in Renovierung und Einrichtung des neuen Ladens investiert. Hierzu wurden eine Einrichtungs- sowie eine Betreibergesellschaft gegründet. In ersterer sind diverse Einrichtungsspezialisten wie beispielsweise Jörg Kunze vom Holzhof (siehe Bild links). Er hat die Regale und Theken gebaut sowie Fußböden, Decken und Wände geplant. „Wir wollten die verschiedenen Spezialisten ins Netzwerk reinholen“, erläutert Vorstand Christian Hiß. Die Einrichtungsgesellschaft vermietet den Laden komplett eingerichtet an die Betreibergesellschaft, in der Hauptlieferant Bodan, die Regionalwert AG sowie die Geschäftsführerin des Marktes, Marlene Svedas, vertreten sind. Svedas verfügt bereits über 15 Jahre Erfahrung mit ihrem Naturkostladen, der etwa 100 m entfernt an der Hauptstraße lag. Mit Hilfe der Regionalwert AG konnte sie nun den Laden professionalisieren und von 150 m² auf 280 m² vergrößern.

Bei der Eröffnungsfeier waren verschiedene Honoratioren wie
der Vertreter der Stadt, Hanspeter Geppert, vertreten. „Dieser Laden ist für die Stadt Breisach eine Bereicherung, und er bringt vor allem auch neues Leben auf den Marktplatz“, so Geppert. Das Ladenlokal hatte drei Jahre lang leer gestanden und auf eine neue Nutzung gewartet. Auch Diana Pretzell, Mitglied des sechsköpfigen Aufsichtsrates, freute sich über die Eröffnung und dass die Regionalwert AG mit diesem Laden „den letzten Schritt zum Verbraucher geschafft habe“. Anwesend waren ebenfalls Finanzvorstand Volker Schwarz und der frühere Bürgermeister von Eichstetten und Mitglied im Aufsichtsrat, Gerhard Kiechle. (Bild: Diana Pretzell wendet sich in einer kurzen Ansprache an die geladenen Gäste).

Außer dem neuen Bio-Fachmarkt existieren bereits andere Unternehmen, die zur Regionalwert AG (RWAG) gehören. Der Regionalwert-Lieferservice Bio-Höfe Frischekiste, der im Mai 2010 gegründet wurde, verbindet Erzeuger mit inzwischen 270 Verbraucherhaushalten. Ob Wein, Gemüse, Kräuter und Obst: alles wird ins Haus des Aktionärs gebracht. „Sämtliche Unternehmerinnen und Unternehmer arbeiten selbständig, sind aber eingebunden in ein Netzwerk von Partnern, vom Acker bis auf den Teller“, so Hiß. Beliefert wird der Lieferservice von den Betrieben Piluweri, dem Schamachhof sowie den Unternehmen, an denen die RWAG auch stille Beteiligungen hält: Gärtnerei Querbeet der Familie Feldmann (diese pachten den früheren Betrieb von Christian Hiß), dem Obstbaubetrieb Joel Siegel und dem Demeter-Hof mit Hofkäserei von Sebastian Groos. Weitere Unternehmen, an denen die Regionalwert AG beteiligt ist, sind der Naturkost-Großhandel Bodan, der Marktladen Rieselfeld sowie die Mocellin Catering.

Grundgedanke von Christian Hiß, der aus der Landwirtschaft kommt, ist, die Wertschöpfung in den verschiedenen Bereichen anzugleichen und vor allem sie in der Region zu halten. Dabei soll auch für die Investoren eine angemessene Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals erfolgen. Da in den ersten drei Jahren in verschiedene Betriebe in Form von stillen Beteiligungen oder Gesellschafteranteilen investiert wurde, konnte bislang noch keine Rendite erzielt werden. „Ich arbeite daran, dass es eine gute Verzinsung gibt“, versichert Hiß. Was damit genau gemeint ist, lässt er allerdings offen, auf Zahlen möchte er sich nicht festlegen lassen. Er ist sich jedoch sicher, dass Erträge für die beteiligten Aktionäre erwirtschaftet werden können. Aber auch für landwirtschaftliche Unternehmen sieht er große Vorteile: „Die Familienbetriebe machen sich kaputt, wenn sie gleichzeitig die Landwirtschaft, die Verarbeitung und die Vermarktung professionell betreiben wollen“. Daher sei eine Mischkalkulation von Produktion, Verarbeitung und Handel sowie Kapital von außen notwendig. Dies ermöglicht eine Professionalisierung in allen Bereichen: jeder macht das, was er am besten kann, arbeitet aber eng mit den anderen zusammen.

Die Aktionäre fungieren in diesem System nicht nur als Kapitalgeber, sondern haben auch als Verbraucher eine herausgehobene Bedeutung. Je mehr sie die Produkte der Regionalwert-Hersteller über den Einzelhandel oder den Lieferservice kaufen, umso mehr fördern sie ihre eigene Gesellschaft. Auf diese Weise tragen sie zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region sowie zur Lebensmittelsicherung bei.

Beim Investment in neue Betriebe stehen zahlreiche Spezialisten zur Verfügung, die sich um Rechtsfragen, die Buchhaltung, das Controlling, die Förderberatung oder um sozialökologische Betriebsentwicklungspläne kümmern. Anhand von 64 Kriterien soll jedes Jahr ein sozialökologischer Bericht erstellt werden, um die Bodenfruchtbarkeit, die Biodiversität, die Stickstoffbilanz, das Saatgut und die Arbeitszeiten, um nur einige zu nennen, zu bewerten. Hierfür erhielt Hiß bereits den Nachhaltigkeitspreis vom Rat für nachhaltige Entwicklung, der von der deutschen Bundesregierung gestiftet wurde. Außerdem wurde Hiß in das Unternehmernetzwerk Ashoka für Social Entrepreneurs aufgenommen, das ihm derzeit finanzielle Unterstützung zukommen lässt. Ashoka bringt Unternehmen mit philanthropisch orientiertem Risikokapital zusammen. (Bild: Marlene Svedas)

Nun soll das Modell in die Vervielfachung gehen. „Mit der Regionalwert Bürgeraktiengesellschaft haben wir ein praxisorientiertes Modell zur zukunftsfähigen Regionalwirtschaft geschaffen“, freut sich Gründer Christian Hiß. Das Konzept sei inzwischen soweit ausgereift, dass es unter dem Motto „wir bieten die Matrix, Sie haben die Region“ auf andere Gegenden übertragen werden kann. Es kommen bereits öfters Anfragen an Hiß, Vorträge über die grünen Finanzierungsideen zu halten.
Hiß ist überzeugt: Jede Region braucht eine solche Regionalwert AG. Ihr Konzept ist in der Grundstruktur immer dieselbe, die Anwendung sei individuell aber an Kriterien wie Transparenz und Glaubwürdigkeit gebunden. Mit einem Kooperationsvertrag können sich neue Partnerregionen Rechte an der Wort-Bild-Marke Regionalwert AG für ihre Region sichern. Das erforderliche Know-how zur Gründung und zum Aufbau kommt dann von der Muttergesellschaft am Kaiserstuhl.

Termine:
6. Mai 2011 im Hunsrückhaus Am Erbeskopf in der Eifel „ Ebbes von Hei! Wertschöpfung durch Wertschätzung, den Hunsrück zukunftsfähig gestalten“
19. Mai 2011 in Erding Landratsamt „ Bauernland in Investorenhand“

Tipp:
Regionalwert AG
Bürgeraktiengesellschaft in der Region Freiburg
Hauptstraße 140
79356 Eichstetten am Kaiserstuhl
Tel. 07663/942401
E-Mail

Leitfaden für die Installation einer Bürgeraktiengesellschaft kostet 10,70 €, zahlbar auf das Konto der Regionalwert AG bei der:  

Südwestbank AG Stuttgart
BLZ 600 907 00
Kto. 523 875 010