Gentechnik im Tierfutter

Verbraucher im Dunkeln



Gentechnik durch die Hintertür

Seit dem Jahr 2004 gibt es in Europa eine Verordnung für Lebensmittel, die gentechnisch manipulierte Pflanzen enthalten. Produkte müssen gekennzeichnet werden, wenn sie genmanipulierte Bestandteile von mehr als 0,9 Prozent enthalten. Da die europäischen Verbraucher Gen- Food mit großer Mehrheit ablehnen, findet sich bislang kaum etwas in den Regalen. Nur wenige Importartikel enthalten kennzeichnungspflichtige Mengen an Gen-Soja, -Mais oder -Zucker. Um Gen-Pflanzen dennoch auf den Markt zu bekommen, nutzt die Industrie eine entscheidende Lücke im EU-Recht. Denn für Lebensmittel von Tieren, die mit genmanipulierten Pflanzen gefüttert wurden, besteht keine Kennzeichnungspflicht – also für Fleisch, Wurst, Eier, Milch und Milchprodukte. Welche Konsequenzen Gentechnik-Pflanzen für die Gesundheit von Mensch und Tier haben, ist mangels Langzeitstudien nach wie vor ungewiss. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass gentechnisch manipuliertes Erbgut üer den Verzehr beispielsweise von Fleischprodukten oder Milch auch in den menschlichen Organismus gelangt. Eine 2010 veröffentlichte italienische Studie hat belegt, dass durch Gen-Futter für Mutterziegen genetische Veränderungen beim Nachwuchs auftraten. Teile des Gen-Futters gelangten in die Organe der Tiere.


Auch in deutschen und österreichischen Ställen

Weil die Verbraucher die Agro-Gentechnik ablehnen, hat die Industrie bislang lediglich Gen-Pflanzen auf den Markt bringen können, die überwiegend als Tierfutter verwendet werden. Agro-Gentechnik ist daher eine Futtermitteltechnologie:

  • 80 Prozent aller Gen-Pflanzen (Raps, Soja und Mais) landen in den Mägen von Schweinen, Rindern oder Hühnern
  • EU-weit wurden 2008/2009 etwa 36 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot aus Argentinien, Brasilien und den USA importiert
  • Davon kamen über 2 Millionen Tonnen Sojaschrot und 3,3 Millionen Tonnen Sojabohnen nach Deutschland
  • 99 Prozent der argentinischen und 90 Prozent der US-Sojabohnen sind genmanipuliert

Die Agrarindustrie will Landwirten nach wie vor die Möglichkeit nehmen, Futtermittel ohne Gentechnik zu kaufen: Sie bietet diese schlicht gar nicht oder nur zu überteuerten Preisen an. Mit der Behauptung, es gäbe keine gentechnikfreie Ware mehr auf dem Weltmarkt, soll gezielt Ohnmacht bei Bauern und Verbrauchern erzeugt werden. Dabei ist etwa die Hälfte des brasilianischen Sojaanbaus gentechnikfrei. Damit könnte allein Brasilien 60 Prozent des gesamten EU-Bedarfs an Soja decken.


Desaster Gen-Soja

Allein für deutsche Nutztiere wird Soja auf einer Fläche von etwa 2,5 Millionen Hektar angebaut. Um den EU-Bedarf zu decken, müsste auf allen Äckern Deutschlands Soja wachsen. In den Hauptanbauländern Argentinien und Brasilien hat der Soja-Anbau drastische soziale und ökologische Folgen. Regenwälder und andere bedeutende Ökosysteme fallen den Monokulturen zum Opfer. Allein wegen der Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes ist das eine Katastrophe für das Weltklima.

Auch die Folgen der meist mit Flugzeugen versprühten Ackergifte sind verheerend. Jährlich regnen 200 Millionen Liter Roundup allein auf Argentinien nieder. Viele Böden sind nahezu unfruchtbar geworden, Unkräuter durch die wiederholte Giftdusche resistent gegen das eingesetzte Pestizid. Auch neue Pflanzenkrankheiten entwickeln sich rasch. Weil Flugzeuge die Gifte flächendeckend und unpräzise ausbringen, werden auch Äcker von Kleinbauern getroffen und deren Ernte vernichtet. Immer häufiger treten Gesundheitsschäden auf, vor allem Erkrankungen der Atemwege und der Haut.

Auch die sozialen Folgen sind schlimm. Tausende Kleinbauern mussten bereits den Monokulturen der Soja-Barone weichen und wurden so in den Hunger getrieben.

Soja-Monokulturen
"Ohne Gentechnik"

 

In einigen europäischen Ländern hat die Lebensmittelindustrie schon auf den Verbraucherwunsch nach tierischen Produkten ohne Gentechnik reagiert. So werden in der Schweiz seit Jahren fast ausschließlich gentechnikfreie Futtermittel importiert. In Österreich bieten ebenfalls zahlreiche Molkereien Produkte an, die ohne Gentechnikfutter hergestellt wurden. Auch für deutsche Lebensmittelproduzenten gibt es die Möglichkeit, ihre Produkte auf freiwilliger Basis mit einem „Ohne Gentechnik“-Label zu bewerben. Diese Positivkennzeichnung soll Kunden auch jenseits von Bio-Läden garantieren, dass sie gentechnikfreie Lebensmittel kaufen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Es ist möglich, tierische Produkte ohne Gentechnik und importierte Futtermittel zu erzeugen. Vor allem deutsche Molkereien können schon heute gentechnikfreie Lebensmittel anbieten. Auch wenn das erfreulich ist: Die Kennzeichnungsregelung in Europa muss dringend überarbeitet werden. Produkte von Tieren, die Gen-Futter bekommen haben, müssen für den Verbraucher klar erkennbar sein. Erst dann haben die Konsumenten eine wirkliche Wahlfreiheit.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Umweltinstitutes München eV

 

Erde und Saat fordert:

  • Ein Verbot von genmanipuliertem Tierfutter
  • Bis zu einem Verbot: lückenlose Kennzeichnung von Fleisch, Wurst, Eiern, Milch und Milchprodukten von Tieren, die genmanipuliertes Futter bekommen haben

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