Saatguttagung 24. Februar 2020 in St. Pölten

 

Thema: Vorteile von Landsorten in der Ernährung

 

Sind alte Landsorten ein erhaltungswürdiger Schatz für unsere Ernährung?

 

Die Sortenvielfalt in den verschieden Kulturpflanzenarten hat in Europa in den letzten 100 Jahren stark abgenommen, damit die Anzahl der Getreidezüchter und die Biodiversität (nicht nur im Getreideanbau). Welche Vor- und Nachteile diese Entwicklung auf die Umwelt, die Landwirtschaft aber auch auf uns Menschen hat, diskutierten Saatgutinteressierte der gesamten Branche auf unserer Saatguttagung Ende Februar in St. Pölten.

 Ob Corona-Virus, Klimawandel, politische Auseinandersetzungen … die Welt verändert sich ständig und Werte wie „regional“ , „nachhaltig“ oder „traditionell“ kehren wohl wieder vermehrt in unser Bewusstsein und regionale Märkte werden zum Glück in allen Lebenslagen wieder wichtiger.

 

Kurzzusammenfassung:

Am Vormittag erzählte uns Dr. Klaus Fleißner von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft von seinem Projekt zur Erhaltung der bayerischen landwirtschaftlichen pflanzengenetischen Ressourcen, welches er 2017 gestartet hat. Bei diesem Projekt werden 700 Genbankmuster gesichtet und beschrieben und das Potential dieser alten Sorten für eine Rekultivierung eingeschätzt. Er erzählt, dass „alte Sorten“ zwar leider öfter mal zum Lagern neigen, allerdings aufgrund der längeren Halme kommt ein möglicher Schädlingsbefall oft nur auf den unteren Blättern vor und erreicht somit nicht die Ähre. Gezielte N-Düngung (kein bzw. nur wenig N-im Frühjahr) sollte gegen das Lagern helfen.

Der weitere Saatabstand bei den „Alten Sorten“ erhöht oftmals die Artenvielfalt der Ackerkräuter und besonders interessant sind sie für karge Standorte, an denen die Bewirtschaftung durch das Klima und die Bodenbeschaffenheit erschwert ist.

 

Schatzbewahrer – Pflanzenvielfalt in Bauernhand

Eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe, aus verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette, hat die Initiative „Schatzbewahrer“ ins Leben gerufen. Hier können sich Landwirte zum Erhalt historischer Sorten ihrer Region registrieren lassen. Sie bekommen dazu 1,5 kg deklariertes, ungebeiztes Saatgut, das für eine Fläche von ca. 100 m² ausreicht sowie Anbauempfehlungen. Gerne können sich auch österreichische Landwirte bei ihm melden: Klaus.fleissner@lf.bayern.de.

 

Zudem hat er uns ein weiteres Projekt vorgestellt– das KERN – Kompetenzzentrum für Ernährung. Hier möchten wir auf die Broschüre „Alte Sorten - Mehrwert für Biodiversität, Artenvielfalt, Genuss & Gesundheit“ hinweisen, die man sich auch im Internet laden kann. Ein Statement daraus: „Bei „Alten Getreidesorten“ ist es besonders das Zusammenspiel der genetischen Vielfalt der Landsorten und des traditionellen Handwerks, welches den Mehrwert für Geschmack und Gesundheit ausmachen kann. Der Laufener Landweizen und der Grells Unterfränkische Landweizen haben sich wieder etabliert, welche anderen Sorten folgen womöglich bald?“.

 

Unterlage von Dr. Fleißner:

Schätze aus Bayern_LFL_2020.pdf
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Unser zweiter Referent Dr. Bertold Heyden hat vor ca. 30 Jahren als Saatgutforscher und Getreidezüchter das Keyserlingk-Institut gegründet, welches sich sowohl mit Fragen der Saatgutforschung als auch mit der Züchtung unter anderem neuer regionaler Getreide- und Linsensorten für den ökologischen Landbau beschäftigt. Sein erster Vortrag beschäftigte sich mit dem Thema Qualität in der Nahrung (Weizenunverträglichkeit etc.). und sorgte für muntere Diskussionen, da die Qualitätsunterschiede derzeit noch sehr schwer untersuchbar sind.

 

Am Nachmittag entführte uns Dr. Heyden in die Welt der Getreidezüchtung. Er begann bei seinen ersten Versuchen in den 1980er Jahre bis heute. Er brachte dazu verschiedene Getreidesorten mit (Ähren samt den Halmen) und wir konnten die Unterschiede betrachten.

Unterlage Regionalsortenprojekt Keyserlingkinstitut
Regionalsortenprojekt Keyserlingkinstitu
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Weiterentwicklung von regionaler Getreidesorten
Weiterentwicklung von regionaler Getreid
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Eine ihrer letzten Zuchterfolge ist der Goldritterweizen – mit einem niedrigen ATI Wert (Alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren), und soll so für Menschen, die „normalen“ Weizen sehr schlecht verdauen könne, besser verträglich sein

Newsletter Keyserlingkinstitut
Keyserlingkinstitut-Newsletter_Goldritte
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Zuletzt hat uns Emil Platzer – Landwirt, Student der Universität für Bodenkultur sowie Mitarbeiter der ARCHE NOAH, seine derzeitigen Untersuchungsergebnisse seiner Masterarbeit präsentiert. Er untersucht die unterschiedlichen Qualitätsparameter von Sommerweizenlandsorten – einerseits auf seinem Heimatbetrieb in Bischofshofen im Pongau, sowie in der Versuchsanstalt für Landwirtschaft in Raumberg-Gumpenstein.

 

Die anwesenden Biobauern sowie Vertreter der verschiedenen Saatgutverbände bzw. Saatgutinitiativen brachten viele Erfahrungsberichte und Meinungen in die Diskussionen ein.

 

Hast du auch Interesse an unserer Saatgutgruppe – bitte ein Mail an hofer@erde-saat.at