Bericht zur Erde & Saat Wintertagung 2019

Heuer standen die beiden Wintertagungen ganz im Zeichen des Bodens und des Menschen. Dr. Christophel erklärte uns die Funktionsweise des Bodens und Dr. Höglinger kümmerte sich um das Seelenleben von uns Menschen.

 

Dr. Dominik Christophel vom Geobüro Chrisotphel in Velburg (Deutschland) berichtete uns sowohl am 1. März im Bildungshaus St. Hippolyth in St. Pölten, als auch am 2. März beim Fernreitherhof in Gunskirchen über das Wunderwerk Boden. Er veranschaulichte in seinem sehr verständlichen und interessanten Vortrag die Entstehung, die Entwicklung und vor allem das Zusammenwirken der einzelnen Bodenfaktoren.

 

Besonders spannend war die Erklärung des Wirkens der einzelnen Nährstoffe im Boden. Grundgedanke dabei ist, dass es immer eine Gesamtanalyse aller Nährstoffe benötigt, um Rückschlüsse auf die aktuelle Bodenbeschaffenheit zu erlangen. Die Verhältnisse vor Ort und die Relationen der Nährstoffe zueinander ergeben dann ein Bild des vorhandenen Bodens.

 

Dr. Christophel analysiert die Böden nach der Methode von Dr. Albrecht, bei der die Analyse der Kationenaustauschkapazität (KAK) als Grundlage dient. Zusammen mit den Analysen auf Spurenelemente, Humusgehalt u.a. erhält man dann ein umfangreiches Bodenscreening sowie eine individuelle Düngeempfehlung mit exakten Mengenangaben.

 

 

An den beiden Nachmittagen stand jeweils der Mensch im Vordergrund. Dr. August Höglinger versuchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmer in St. Pölten Mut zur Veränderung zu machen. Dabei ging es in Erster Linie darum, die Veränderung als Chance zu sehen, und nicht als Gefahr. Wenn man will, dass die guten Sachen im Leben bewahrt werden, dann muss sich drum herum einiges ändern.

 

Dr. Höglinger: „Lasst uns an dem Alten, so es gut ist halten. Und auf diesem alten Grund Neues schaffen jede Stund!“ Die unweigerlich auf uns zukommenden Veränderungen lassen sich am besten mit Liebe bewältigen. Die Angst überwinden, Altes loslassen und Neues schaffen.

 

Am zweiten Tag in Gunskrichen war das Thema zu dem Dr. August Höglinger referierte die Entrümpelung unseres Lebens. Dabei ging er zuerst auf die äußerlichen Dinge des Lebens ein. Jene Sachen, die wir sammeln, uns aufheben oder von denen wir uns einfach nicht trennen können. Egal ob beruflich oder privat, jeder hat eine ganze Menge Gerümpel von dem er sich langsam aber stetig trennen sollte.

 

Aber auch in Beziehungen und der eigenen Seele soll der Ballast abgeworfen, und das Gerümpel entfernt werden. Dieser aufgeräumte Zustand führt in weiterer Folge zu einer Entlastung und einer Befreiung der Seele.

 

Dr. Höglinger machte uns in seinen beiden Vorträgen wieder einmal bewusst, dass wir uns selbst als Menschen ernster und wichtiger nehmen müssen. Wir vergessen sehr oft, den Blick auch auf unsere eigenen Bedürfnisse und Probleme zu richten. Um in einer sich ständig beschleunigenden Welt, die immer komplexer wird zurecht zu finden, dürfen wir den Blick auf uns Menschen, unsere Bedürfnisse und Ängste und vor allem auf unsere Seelenheil nicht vernachlässigen.

Bericht und Zusammenfassung der Wintertagung 2018

Unsere Wintertage waren sehr gut besucht, wir durften über 150 Besucher in St. Pölten und Gunskirchen begrüßen. Das rege Interesse an dem Thema  zeigt, dass viele Bauern den Wert des Humus erkannt haben und nun Wege zu dessen Aufbau suchen.

 

Im Zuge der Veranstaltungen präsentierte Frau  Mag. DI Marie-Luise Wohlmuth, BEd der Universität für Bodenkultur, die von ihr entwickelte Humustrendwaage. Diese bietet die Möglichkeit für jede Bäuerin und jeden Bauern, ihre oder seine Fruchtfolge in die wortwörtliche „Waagschale zu werfen“. So werden die Auswirkungen auf den Humushaushalt durch die Balkenwaage sichtbar gemacht. Auch Veränderungen der Fruchtfolge oder die Auswirkungen von Begrünungen können schnell und anschaulich dargestellt werden.

 

Gerald Dunst, Mitbegründer der Ökoregion Kaindorf, Fachbuchautor und Kompostproduzent, gab einen kurzen Überblick über die Wichtigkeit des Humus für unsere Böden und auf die Auswirkungen, wenn der Humusgehalt zu niedrig wird.

 Gerald stellte das Humusaufbauprojekt der Ökoregion Kaindorf vor, das vorsieht, dass man den im Humus gespeicherten Kohlenstoff über Zertifikate „verkaufen“ kann. Humus kann kurzfristig und schnell mittels Kompost aufgebaut werden und langfristig durch einen langsameren Aufbau über Pflanzen(-gemeinschaften) wie Untersaaten, Zwischenfrüchte, Winterbegrünungen, Mischkulturen, ….

 

Da das Humusaufbauprojekt mittlerweile auf 150 Betriebe bzw. 1.600 ha Fläche angewachsen ist, verfügen die BetreiberInnen der Ökoregion Kaindorf über immer mehr Daten. Dadurch konnte herausgefunden werden, dass das C:N Verhältnis entscheidend für den Humusaufbau ist. Bei sehr engen C:N Verhältnissen 6:1 – 8:1 kann es durch den fehlenden Kohlenstoff zu Stickstoffverlusten kommen. Wenn der Boden ein sehr weites C:N Verhältnis von z.B.12:1 hat, wird der Stickstoff zu dem limitierenden Faktor beim Humusaufbau. 

Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und der Intensität der Bodenbearbeitung und der Veränderung des Humusgehalts hergestellt werden. Gerald Dunst ist davon überzeugt, dass viehloser Ackerbau, unaufbereiteter Wirtschaftsdünger sowie die Handelsdünger für den Humusschwund unserer Böden verantwortlich sind. 

Mit seiner Firma „Sonnenerde“ stellt er hochwertige Komposte, Fertigerden und Pflanzenkohle her. Die Pflanzenkohle würde bei der Kompostierung und beim Humusaufbau gute Dienste leisten, ist aber zurzeit im Biolandbau nicht zugelassen. In der neuen Humusakademie in Kaindorf kann jedermann sein Wissen über Humus und dessen Aufbau erweitern.

Am Nachmittag waren Praktiker am Wort, die bereits bei jenem Humusaufbauprojekt in Kaindorf mitgearbeitet haben. Gerhard Weißhäupl war an beiden Veranstaltungen als Referent eingeladen. Er ist Biobauer aus Haibach an der Donau, der sich neben  dem Ackerbau und seinen Biohennen auch noch mit Kompostierung, Bokashiherstellung (fermentierter Mist und organisches Material), Biomeiler, Agroforst, EM und Komposttee beschäftigt. Er stellte die Flächenrotte mittels Fräse und EM vor. Weiter gab er einen Überblick über Mischkulturen, Untersaaten, Kartoffeln mit Mulch und Bokashi. Gerhard vermehrt Mikroorganismen selbst und verwendet sie vielfältig auf seinem Hof, sowohl bei der Flächenrotte, beim Kartoffelmulch oder auch im Hühnerstall werden sie versprüht. Außerdem kommen sie ins Trinkwasser und werden unter das Hühnerfutter gemischt. Neben all diesen Tätigkeiten befasst er sich auch noch mit dem kompletten Kreislauf des Komposttees, von der Herstellung bis zur Anwendung sowie mit dem Bau und Vertrieb von Kompostteemaschinen.

 

Franz Brunner ist ein viehloser Biobauer aus dem Horner Becken (Trockengebiet) und stellte uns seine Erfahrungen in St. Pölten zur Verfügung. Seiner Meinung nach muss zuerst die Bodenchemie ins Gleichgewicht gebracht werden, danach kann man die Bodenstruktur aufbauen und damit die Bodenbiologie beleben. Er zeigte uns Spatenproben von seinen Feldstücken und wie sie sich in den vergangenen Jahren verändert haben. Außerdem informierte er uns über seine Fruchtfolge mit den jeweiligen Untersaaten und Zwischenfrüchten. Zum Abschluss erzählte er uns noch von seinen Erfahrungen mit der Tiefenlockerung, die er für notwendig hält, um Luft in den Boden zu bringen, solange kein hoher und stabiler Humusgehalt erreicht wurde.

 

In Gunskirchen kam Hubert Stark aus Litschau zum Wort. In seinen Anfängen als Biobauer hatte er mit intensiver Bodenbearbeitung wenig Erfolge. Erst nachdem er begann den Boden ins Gleichgewicht zu bringen, stellten sich Erfolge ein. Unkräuter wie Kamille, Melde, Distel, Ampfer und Quecke sind Pionierpflanzen, die Verdichtungen und Nährstoffungleichgewichte im Boden reparieren, die aber wieder verschwinden, wenn ihre Aufgabe erfüllt ist. Schädlinge und Krankheiten sind Anzeichen einer scheiternden Kultur, jedoch nicht die Ursache des Scheiterns. Heute erzielt er Bodenverbesserung und den Humusaufbau durch Untersaaten in der Hauptkultur, in die er nach der Ernte Zwischenfrüchte einbaut, die wiederum auf die Hauptkulturen abgestimmt sind. Die reduzierte Bodenbearbeitung, der Komposttee und die Düngung zum Ausgleich der Basensättigung unterstützen seine Bemühungen. Hubert Stark organisiert Humusstammtische, Seminare und Feldtage, um Wissen und Erfahrungen in der Region zu teilen.

Vortrag von Gerald Dunst bei der Erde & Saat Wintertagung 2018
Humusaufbau Dunst.pdf
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Vortrag von Stark Hubert am 03. März in Gunskirchen
Stark Hubert.pdf
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Vortrag von Brunner Franz am 02. März in St. Pölten
Brunner Franz.pdf
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Vortrag von Weißhäupl Gerhard bei der Erde & Saat Wintertagung
Weißhäupl Gerhard.pdf
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Vereinbarung zur Teilnahme am Humusaufbauprojekt
Vereinbarung-Landwirt 2018.pdf
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